Gig Theatre von Daniel Cremer
Produktion im Rahmen des Festivals Schall&Rausch im SchwuZ Queer Club
Komische Oper Berlin | 11. Februar 2024
Emotional! Elektrisierend! Außer sich! In einem schwindelerregenden Stand-up unternimmt Daniel Cremer eine Tiefenbohrung ins musikalische Menschheitserbe des deutschen Schlagers. Eine Ekstase-Übung, um Energie für ungewisse Zeiten zu tanken – mit einem Augenzwinkern in Richtung der legendären SchlagerNackt-Partys im SchwuZ Queer Club.
Eine leere Bühne, ein heller Lichtkegel, ein nackter Körper und: Schlager bis zum Abwinken. In LIKE A PRAYER gibt sich Performancekünstler Daniel Cremer ganz dem Publikum hin und durchlebt in einer Versuchsanordnung am eigenen Körper, wie befreiend (musikalische) Ekstase sein kann. Brennstoff dieses leichtfüßigen Exorzismus der Patriarchatsüberbleibsel sind Schlager u. a. von Marianne Rosenberg, Mireille Mathieu und Joy Fleming. Das ungebrochen lebensbejahende musikalische Material fließt zusammen mit anarchischen Moderationen, die Performer und Publikum in die nötige Schwingung versetzen, um alte Ängste, neue Verhärtungen und alles dazwischen in reine Lebenskraft zu verwandeln. Ekstase schenkt Handlungsmacht, Bewegungsfreiheit, Verbundenheit. Bis wir euphorie-geboostert und vollimmunisiert mit Flitter im Haar wieder in die Welt hinaustreten.
Dass diese Stand-up-Show ausgerechnet im SchwuZ Queer Club ihre Uraufführung feiert, ist kein Zufall. Seit den 1970er Jahren ist das SchwuZ ein Ort der mannigfaltigen Ekstase – ob bei Madonnamania, bump! oder der SchlagerNackt-Party, im SchwuZ tanzt und feiert sich
die Berliner LGBTQIA*-Community in den Olymp der Verzückung und Selbstermächtigung.
LIKE A PRAYER ist der dritte und letzte Teil einer Trilogie von Soloshows, in denen sich Daniel Cremer der Kraft affirmativer Emotionen widmet, und folgt dem Liederabend BORN TO MAKE YOU HAPPY (2017, Glück) und dem poly-erotischen Stand-up THE MIRACLE OF LOVE (2019, Liebe).
»Und ist Dein Herz bereit / komm über diese Brücke / her aus Deiner Einsamkeit«
(Aus: » Ein Lied kann eine Brücke sein « von Joy Fleming)
Presse
»Der Performer Daniel Cremer beschäftigt sich in "Like a prayer" mit dem deutschen Schlager und der "deutschen Ekstase". Mit einer klugen, unprätentösen Dramaturgie umkreist und verbindet er beide Pole, macht Nebenschauplätze auf und wieder zu.«
(taz)
Eine ekstatisch-pathetisch-esoterische Schlager-Beschwörung, die frei nach Joy Flemings „Ein Lied kann eine Brücke sein“ nach Möglichkeiten des Zueinanderfindens fragt – mal mehr, mal weniger ironisch gebrochen. Der Abend lebt von Cremers ansteckender Bereitschaft zur Selbstverausgabung (und Selbstentblößung), vom gemeinsamen Erlernen „somatischer Ekstase-Techniken“, oder, in den Worten des Performers: „Start schunkel with me!“
(Tagesspiegel)
» Was Cremer aus dem Efef beherrscht, ist der Flirt mit dem Publikum. Wildfremde Menschen halten sich an den Händen, tanzen zusammne und singen. Cremer ist absolut menschenfreundlich, darum ist seine zentrale Botschaft: Besiege den Faschismus in dir selbst!«
(taz)
»Allerdings bietet „Like A Prayer“ bei aller Bereitschaft zum hemmungslosen Hedonismus immer wieder auch an, die selbst aufgebaute Eskapismus- einem harten Realitätscheck zu unterziehen. Mit anderen Worten: Gitte Haennings Emanzipationshymne „Ich will alles“ kann auf einem sterbenden Planeten auch schal klingen.«
(Tagesspiegel)
BESETZUNG
Konzept & Performance Daniel Cremer
Künstlerische Beratung melanie bonajo
Somatische Beratung Anna Schmidbauer
Arrangements Magnus Loddgard
Flöte Stephanie Disser
Oboe Ryoichi Masaka
Klarinette Desirée Grundmann
Fagott Torsten Näther
Künstlerische Leitung Schall&Rausch Rainer Simon
Dramaturgie & Ko-Kuratorin Julia Jordà Stoppelhaar
Künstlerische Produktionsleitung Lucia Leyser
Technische Produktionsleitung Anja Lawrenz
Assistenz Rebecca Undine Schettler
Technische Assistenz Timo Kaul
Tontechnik Balthasar Effmert
Beleuchtung Dominik “Jimmy” Andrich
Maske Nadja Jeberien
INTERVIEW
Daniel Cremer im Gespräch mit Dramaturgin Julia Jordà Stoppelhaar.
Wie kamst du auf den Titel Like A Prayer?
Diese Performance ist der letzte Teil meiner Soloshow-Trilogie. Die ersten Teile tragen die Titel von Popsongs: Born to Make You Happy und The Miracle of Love. Jetzt sollte es um Ekstase gehen und es brauchte einen neuen Popsong: Like a Prayer von Madonna. Das SchwuZ hat diese extremistische Partyreihe, die Madonnamania. Da läuft auf einem Floor den ganzen Abend nur Madonna. Das ist für mich wie eine Art Gebet. Wenn ich Gebet entideologisiert verstehe, ist es ein Moment von Konzentration. Ich konzentriere mich auf die Art von Leben, die ich mir wünsche. Ein Gebet ist auch eine Art Notbremse, die lustvoll den Alltag unterbricht und mir hilft, mich auf mein Mensch-Sein und meine Angewiesenheit auf das große Ganze zurückzubesinnen. Ich lebe. Ich bin Teil des Lebens.
Eine Notbremse, die uns zugleich wachrüttelt und eine Lust am Leben, an der Ekstase weckt. Was bedeutet Ekstase für dich?
Es gibt eine Ekstase, gerade den Drogenrausch, in der man sich bewusst aus der Realität verabschiedet. Doch ich meine mit Ekstase etwas ganz Anderes – ich verabschiede mich nicht von meinen Gefühlen und gehe in eine Scheinwelt, sondern erlebe ganz bewusst. Die Grundfrage dabei ist: Wie können wir uns so weit entspannen, dass Ekstase Raum hat? In dem Wunsch, nur positive Dinge zu fühlen, unterdrücken wir oft negative Gefühle und stumpfen so ab – unsere Bandbreite an Gefühlen und unsere Lebendigkeit werden dadurch immer geringer. Im besten Fall öffnet uns der Abend (auch mithilfe des Schlagers) für einen Moment und wir fühlen ZUSAMMEN.
Deine Inspiration für Like A Prayer waren die SchlagerNackt-Partys des SchwuZ Queer Club.
Ich finde, dass die SchlagerNackt-Party ein wunderbar minimalistisches Konzept hat: Nacktheit und Schlager. Perfekt! Auf diesen Partys herrschen dionysische Kräfte, ernsthafte Entgrenzung und gleichzeitig auch die Erbärmlichkeit eines FKK-Campingurlaubs – im besten Sinne. In der Erbärmlichkeit eines durchschnittlichen nackten Körpers, wie beispielsweise meinem, und im amateurhaften Schlagergesang sind potentiell so viel Menschlichkeit und Verletzlichkeit enthalten.
Auf welche Schlager-Musikwelt konzentrierst du dich in Like a Prayer?
Ich habe mich gefragt, wie wir gerade im deutschsprachigen, und im deutschen Kontext im Speziellen, gelernt haben, Freude und Ekstase auszudrücken. Da komme ich eben immer wieder auf den Schlager. Bei der Auswahl habe ich jedoch versucht, die Trash-Grenze nicht allzu sehr zu überschreiten und habe mich auf das klassische Grand Prix-Repertoire der 1970/80er konzentriert. Joy Fleming, Ireen Sheer und natürlich Marianne Rosenberg spielen eine Rolle. Aber auch Milva, die eigentlich keine Schlager-Sängerin ist, kommt vor. Auch ein Song von Rio Reiser ist dabei, »Morgenlicht«, ein Song aus der Schwulenbewegung. Insgesamt ist es einfach die Musik, die MICH richtig im Herzen berührt, wie Joy Flemings »Ein Lied kann eine Brücke sein« – mit ihrem charakteristischen Mannheimer Hüftschwung, den ich sehr sexy finde.
MITSCHNITT
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